Reaktion der PdA Aargau auf zwei aktuelle Artikel der Aargauer Zeitung vom 10.12.2025
In den letzten Tagen hat die Aargauer Zeitung zwei Artikel veröffentlicht, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben:
Einer befasst sich mit der Diskussion um den Eigenmietwert und die Steuerpolitik für Wohneigentümer, der andere mit der wachsenden Obdachlosigkeit im Kanton Aargau.
Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch: Beide Artikel beschreiben zwei Seiten derselben Krise.
Im Artikel zum Eigenmietwert verteidigt der Aargauer Finanzdirektor Markus Dieth die bestehende Steuerpraxis mit dem Hinweis, man müsse sich an das Gesetz halten. Kritisiert wird insbesondere die SP, die eine stärkere Belastung von Wohneigentum fordert.
Diese Debatte bleibt jedoch auffällig einseitig:
Es geht fast ausschliesslich um die Sorgen von Eigentümerinnen und Eigentümern, um steuerliche Belastung und um politische Mehrheiten. Kaum thematisiert wird, wer in diesem System systematisch verliert:
Mieterinnen und Mieter, Menschen ohne Eigentum, Menschen ohne sicheren Wohnraum.
Der Eigenmietwert ist kein technisches Detail, sondern Teil einer grundsätzlichen Entscheidung:
Wohneigentum wird politisch geschützt, während Wohnungsnot als Randproblem behandelt wird.
Im zweiten Artikel wird deutlich, wohin diese Politik führt.
Sozialwerke und Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Im Kanton Aargau gibt es immer mehr obdachlose Menschen, während Übernachtungsangebote fehlen oder nur punktuell ausgebaut werden.
AZ Artikel EVP Obdachlose
Die Reaktionen der Politik bleiben defensiv:
Man verweist auf Zuständigkeiten, Pilotprojekte, föderale Grenzen. Besonders bezeichnend ist, dass selbst minimale Angebote – Notunterkünfte, niederschwellige Wohnungen – als ausserordentliche Massnahmen behandelt werden.
Dabei handelt es sich hier nicht um individuelles Scheitern, sondern um strukturelle Ausgrenzung:
• steigende Mieten
• prekäre Arbeitsverhältnisse
• fehlender Kündigungsschutz
• Sozialpolitik unter Sparvorbehalt
Wer keinen Zugang zu Eigentum hat, trägt das volle Risiko des Marktes.
Diese beiden AZ-Artikel erzählen gemeinsam eine klare Geschichte:
Der Kanton schützt Vermögen – und verwaltet Armut.
Während bei steuerlichen Fragen für Eigentümer sofort politische Grundsatzdebatten geführt werden, gelten wohnungslose Menschen als sozialpolitisches Problem, das man „abfedern“ muss – nicht als Ergebnis politischer Entscheidungen.
Für uns ist klar:
Wohnen ist kein moralisches Thema und keine Frage individueller Leistung. Wohnen ist eine Klassenfrage.
Eine Politik, die:
• Wohneigentum steuerlich privilegiert
• den Wohnungsmarkt dem Profit überlässt
• und soziale Not lediglich verwaltet
produziert zwangsläufig Ausgrenzung, Unsicherheit und Obdachlosigkeit.
Wir brauchen im Kanton Aargau:
• eine konsequente öffentliche Wohnpolitik
• Schutz vor Verdrängung
• reale Alternativen zum reinen Marktprinzip
• und den Mut, Eigentum und Boden wieder als gesellschaftliche Verantwortung zu begreifen.
Die PdA Aargau will diese Debatte nicht moralisch führen, sondern politisch.
Nicht über Einzelfälle, sondern über Strukturen.
Nicht über Symptome, sondern über Ursachen.
Wer heute über den Eigenmietwert spricht, darf über Obdachlosigkeit nicht schweigen.
Und wer Obdachlosigkeit ernst nimmt, muss die Eigentumsfrage stellen.
Dominik Schrott
Partei der Arbeit Aargau